Oliver Schwartz Gastgeber

Oliver Schwartz

Oliver Schwartz ist ein deutscher Autor, Podcaster, Vortragsredner und Kommunikationsberater mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz und Unternehmenskommunikation.

Erscheint in 194 Episoden

#94

Feel Good vs. Business Outfit?

In der Episode 94 der Turtlezone Tiny Talks greifen Oliver Schwartz und Dr. Michael Gebert eine Debatte auf LinkedIn auf, die nicht neu ist und die man auch überflüssig finden kann. Aber sie bewegt viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Und das kann man nicht ignorieren. Es geht ganz konkret um die Frage, ob Jogginghose & Co. im Homeoffice den Feel Good Modus unterstützen und Bequemlichkeit -entgegen aller bisherigen Expertenstimmen- zu mehr Produktivität und Leistung führen. Nun mag man locker vom Hocker sagen, dass das sicher sehr individuell ist und es ja genug Studien gibt, die den allgemeinen Zusammenhang zwischen Kleidung und Auftreten belegen. Aber dies wird nun bestritten. Mehr noch, Kolleginnen und Kollegen, die im Office gerne Business-Fashion tragen und auch bei Teams- oder Zoom-Meetings nicht im Freizeit-Look vor der Kamera sitzen, wird vorgeworfen sich zu „verkleiden“. Da sind sie wieder die Vorurteile gegen „Business-Kasper“, „sprechende Anzüge“ oder Kolleginnen in Kostüm und Pumps. Und plötzlich bekommt die junge Liebe zum Homeoffice eine weitere Facette. Flexibilität und hybride Arbeitswelten sind gut und schön. Aber die Arbeit von zu Hause steht auch für die ersehnte Lockerheit beim Outfit. Das unterstreichen viele der Debattenbeiträge auf LinkedIn: „Wie konnte man früher bloß acht Stunden in Jeans auf einem Stuhl sitzen?“ wird gefragt und schon einmal der Knopf geöffnet um das flauschige Gefühl einer Jogginghose anzustreben. Dem Fashion-Item, dass Karl Lagerfeld stets verstörte.
#90

Gleichzeitig Held und Staatsfeind?

Ende April hat der Oberste Gerichtshof Großbritanniens der Auslieferung des Wikileaks-Gründers Julian Assange an die USA beschlossen und vor wenigen Tagen hat -nicht überraschend- auch die englische Innenministerin Priti Patel dem zugestimmt. Die baldige Auslieferung wird nun gerade im Schatten des Ukraine-Kriegs immer wahrscheinlicher und Assange drohen in den Vereinigten Staaten 175 Jahre Haft sowie erneute Verhöre. Eigentlich können nur die beiden Elmau-Gäste Joe Biden und Boris Johnson dem jahrelangen Justiz-Drama ein Ende setzen und den ohnehin gesundheitlich massiv angeschlagenen Assange begnadigen. Eine solche Begnadigung erscheint allerdings sehr unwahrscheinlicher, denn wir sprechen von dem Staatsfeind Nr. 1 der USA. Der Fall Assange macht fassungslos und der Glaube an die Rechtsstaatlichkeit wird auf eine harte Probe gestellt. Dabei spielen auch die Regierungen in Schweden und England eine ominöse Rolle. Insbesondere Nils Melzer, bis vor kurzem der UNO-Sonderberichterstatter für Folter, klagt über einen hanebüchenden Justizskandal – im Namen staatlicher Interessen der Geheimhaltung eigener Verfehlungen. Viele von uns erinnern sich sicher noch an das Jahr 2010 als Wikileaks umfangreiche Medienpartnerschaften pflegte und regelmäßig brisante Unterlagen zu staatlichem Fehlverhalten, bis hin zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen, auf seiner Plattform veröffentlichte. Die Quelle waren sogenannte Whistleblower. Geheimnisverrat ist in allen Ländern strafbar und damit war eine Plattform wie Wikileaks immer rechtlich auf dünnem Eis und im Spagat zwischen investigativem Journalismus und dem Vorwurf politisch motiviertem Handeln, der Gefährdung staatlicher Sicherheitsinteressen – bis hin zu angeblicher Spionage. Die Veröffentlichung von entlarvenden und anklagenden Dokumenten und Videos mit Kontext zum Irak-Krieg aus dem Jahr 2007, erschütterte damals die Menschen weltweit und machte Assange final zur Zielscheibe der Strafverfolgung.
#83

Wer kennt die Tomaten-Queen?

Es gibt Salattomaten, Strauchtomaten, Stabtomaten, Fleischtomaten, Roma-Tomaten, Cocktail-Tomaten und noch viele Sorten und Untersorten mehr. Weltweit sind über 18.000 Arten historisch verbrieft und benamt. Und dabei gibt es Tomaten in allen Formen und Farbschattierungen und Preislagen. Im Supermarkt Alltag begegnen uns meist rote Tomaten, aber besonders würzig und aromatisch sind die braunen und schwarzen Tomaten wie die „Black Krim“. Für alle Feinschmecker und experimentierfreudigen Genießer ist das auf jeden Fall einen Tipp wert. Aber auch grüne Tomaten, wie der „Green Tiger“ oder rosarote Tomaten wie die „Pink Tiger“ sind Exoten. Die haben jeweils eine längliche Form und werden daher Flaschentomaten genannt. Es gibt Tomate, die erinnern Kiwis und solche, die an Physalis erinnern. Eine wahre Rarität ist die „Aunt Rubys German Green“ Fleischtomate, die eine grün und ockere Färbung und einen rötlichen Blütenstiel hat und ein wenig schrumpelig von außen aussieht. Die „Belle Coeur“ Salattomate sieht aus wie eine Feige und eine ganz besondere Schönheit ist auch die gelbe Cocktailtomate „Yellow Pear“ in Pfirsischform. Den für angebliche Wassertomaten vielgescholteten Holländern verdanken wir übrigens einen Tomaten-Geheimtipp: Die Honigtomate aus Mexico. Nun liebevoll in einem holländischen „Honigtomaten-Palast“ gezüchtet und geerntet. Eine Cocktailtomate, die zur höchstpreisigen Premiumkategorie zählt und äußerst geschmackvoll ist. Die kostbare Samensorte nennt sich Piccolo und die Aufzucht ist eine Kunst, die sich bezahlt macht. Im einzigartigen Geschmack und auch im Preis. Im Handel kostet ein Kilo des roten Golds mehr als 25 Euro.
#76

Wie schwach oder stark ist die Neutralität?

Bundesministerin Annalena Baerbock sagt: „Bei Fragen von Krieg und Frieden kann Deutschland nicht neutral sein“ und trifft damit eine Stimmungslage angesichts des Kriegs in der Ukraine. Wer will ihr spontan widersprechen? Doch was meint sie? Entspannungs- oder Appeasement-Politik? Deutschland ist als NATO-Mitglied und auch durch die Einbindung in die gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik ohnehin kein neutraler Staat im völkerrechtlichen Sinne – wie beispielsweise die Schweiz. Und auch dort wird derzeit die Neutralität diskutiert, die seit über 200 Jahren eigentlich ein wichtiger und etablierter Grundsatz der Eidgenossen ist. Der konservative schweizer SVP-Politiker und Weltwoche-Chefredakteur Roger Köppel hat letze Woche in der NZZ einen vielbeachteten Gastkommentar mit dem Titel „Die Welt braucht eine neutrale Schweiz“ veröffentlicht. Er beklagt, dass nicht wenige Medien die Neutralität als Feigheit und politisches Eunuchentum beschreiben. Und er argumentiert im Gegenteil: „Neutralität erfordert Kraft und Festigkeit. Mitmachen ist bequemer!“ Und welche Neutralität kann gemeint sein, die derzeit gerne als Fundament einer friedlichen Lösung für die Ukraine in den Ring geworfen wird? Welche historischen Vorbilder gibt es dafür? Fakt ist, dass Neutralität derzeit nicht hoch im Kurs steht. Auch seit Jahren in vielen gesellschaftlichen Debatten. Haltung ist angesagt und eine Positionierung oft geboten. Aber doch ebenso ein Hinterfragen und manchmal eine gesunde Neutralität, die vielleicht nur missverstanden und fälschlicherweise als schwach, zauderlich, taktierend oder haltungsfrei bezeichnet wird? Gerade angesichts der vielfältigen Konflikte weltweit und der wieder verhärteten Fronten könnte Köppel recht haben, dass es eine „neutrale Schweiz“ oder andere Länder braucht, die sich als diplomatische Vermittler und Mediatoren anbieten. Eine spannende und wichtige Debatte.
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