Ein Soziales Jahr für Alle?
#89

Ein Soziales Jahr für Alle?

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich Gedanken über ein verpflichtendes Soziales Jahr für alle Bürgerinnen und Bürger gemacht und der Aufschrei war laut und schrill. Ein „Sahnehäubchen der Unverschämtheit“ urteilt Sascha Lobo und wähnt gar eine „Jugend-Diskriminierung“. Und das war nur eine der zahlreichen kritischen Stimmen im lautstarken Sirenen-Chor, die den präsidialen Debattenvorschlag am liebsten schnell wieder beerdigt sehen würden. Doch was hat Steinmeier überhaupt bewegt? Und wie realistisch, rechtlich und gesellschaftlich, ist die Einführung so eines Pflichtdiensts an der Gesellschaft? Für die neue Podcast-Episode der Turtlezone Tiny Talks lassen sich Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz auf die emotionale Debatte ein, die gleichwohl sehr theoretisch wie auch wertvoll erscheint.
Episode 089 
Viele Jahre nach Abschaffung des Wehrdienstes und -in dem Zuge- auch des Zivildienstes für junge Männer sind Verwirrung und Erregung groß: Kann so ein neuer Pflichtdienst überhaupt rechtens sein? Sollen gar der Mindestlohn unterlaufen und latente Engpässe im Gesundheits- und Pflegebereich auf den Rücken der jungen Menschen gemildert werden? Sorgt ein Soziales Jahr für mehr Integration und Identifizierung mit der Gesellschaft – oder für mehr Spaltung und Ablehnung staatlicher Zwänge? Und verzögert sich der Berufseinstieg dringend benötigter Fachkräfte nicht unnötig?
Gebert und Schwartz stellen diesen Bedenken auch die Argumente der Befürworter gegenüber. Und über 50 Tausend junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziale Jahr leisten, sprechen ebenso eine deutliche Sprache wie die überwiegend positiven Erfahrungen mit dem damaligen Zivildienst. Und ohnehin sind es nicht die Jugendlichen und auch nicht die breite Gesellschaft, die Steinmeiers Idee kategorisch ablehnen. Es kommt auf die Ausgestaltung an, auf die Sinnhaftigkeit und die Wertschätzung.
40 spannende Podcast-Minuten und ein Hör-Tipp!