Oliver Schwartz Gastgeber

Oliver Schwartz

Oliver Schwartz ist ein deutscher Autor, Podcaster, Vortragsredner und Kommunikationsberater mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz und Unternehmenskommunikation.

Erscheint in 194 Episoden

#113

Gemüsefabrik in der Wüste?

„Vertical Farming“ ist Zukunftsthema und Realität zugleich. Produktive Pflanzenfabriken gibt es längst: „Plenty“ bei San Francisco, „Lufa“ bei Montreal, „Sky Greens“ in Singapur, „Gren Sense“ in Shanghai – aber auch „VertiCulture“ bei Den Haag. Besonders reizvoll ist die Zucht von Obst und Gemüse unter abgeschirmten Idealbedingungen in Regionen mit Versorgungsproblemen, in der Wüste oder der Arktis. Die etablierten Methoden umfassen hydroponische, aeroponische und substrat-basierte Systeme. Salat, Spinat, Tomaten und Kräuter eignen sich ebenso gut wie Erdbeeren für die kontrollierte und ertragsreiche Zucht in den computergesteuerten Fabriken. Kartoffeln oder Zitrusfrüchte dagegen weniger. Angesichts der derzeit hohen Energiekosten und der Wasserknappheit in vielen Regionen, sind Lebensmittelfabriken Chance und Problem zu gleich. Sie sind eine Möglichkeit, die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern zu verbessern und den Anbau von Nutzpflanzen in Gebieten zu ermöglichen, in denen das Klima, die Umweltbedingungen und häufige Klimakatastrophen dies üblicherweise schwierig machen. Und Pflanzenfabriken können prinzipiell helfen, die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten zu reduzieren und lokale Wirtschaft zu stärken. Andererseits sind die Investition und Betriebskosten hoch, für lokale Kleinbauern regelmäßig zu hoch. Derzeit sind es Lebensmittelkonzerne und andere profitorientierte Investoren, die diese Projekte vorantreiben. Dabei geht es dann oft weniger um eine lokale Versorgung als um eine ganzjährige Lieferkette in unsere Supermärkte.
#104

Ticket ins Paradies Poyais gefällig?

Wirtschafts- und Finanzbetrüger gibt es schon so lange, wie Menschen Handel treiben. In den Steinzeit-Höhlen, im alten Ägypten, in Rom, in Griechenland – über alle Epochen hinweg. Und immer wieder ist es gelungen, oder wurde es zumindest versucht, Menschen über den Tisch zu ziehen und sich an ihnen zu bereichern. Oder Werte zu unterschlagen. Wir können dafür tausende Jahre zurückblicken. Sobald es Gewichte und Maßeinheiten gab, wurde versucht, diese zu fälschen. Sobald es Wertgegenstände gab und ärmere wie reichere Menschen, entstand der Wucher. Begonnen hat es mit dem Tausch von Erzen. Und Überlieferungen von Bestrafungen zeugen schon aus vorbiblischen Zeiten davon, dass die Gier oft stärker war als die Angst vor den Konsequenzen. Entsprechende Gesetze kannte man schon im alten Ägypten. Gregor MacGregor, der selbsternannte „Cazique von Poyais“ – der Fürst eines fiktiven Fürstentums. Er schafft es in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts die Mundpropaganda über ein traumhaftes Fürstentum in Mittelamerika, Poyais, in Gang zu bringen. Ein Paradies für alle diejenigen, die sich tausende Kilometer von Großbritannien entfernt eine lukrative neue Existenz aufbauen wollen. McGregor verfasste und veröffentlichte dafür eigens einen über 300 Seiten umfassenden Reiseführer, machte mit Zeitungsanzeigen und Flyern jede Menge Öffentlichkeitsarbeit für Poyais, bevor er dann in die Landvermarktung einstieg. Zuvor hatte er in London sogar eine angebliche Botschaft eröffnet. Fast 200 hoffnungsvolle Menschen verkauften ihr Hab und Gut und erwarben bei ihm, dem schillernden Fürsten dieses Paradies, Grundstücke und zusätzlich tauschten sie ihr restliches Vermögen in die ebenfalls fiktive Währung des Fürstentums, den „Poyais-Dollar“. McGregor organisierte eine Schifffahrt für die Auswanderer und im Januar 1823 stach die „Kennersley Castle“ in See. Fast zwei Monate sollte die Seereise ins Paradies dauern. Dann kam das böse Erwachen. Ein Drama für die armen Opfer, aber ein Paradebeispiel dafür, wie gut Betrug funktioniert, wenn man ihn mit vertrauensbildenden Maßnahmen flankiert.
#103

Wie wurde Nellie Bly zur Pionierin?

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt von Erfindungen, Bauwerken und technischen Revolutionen. Es war die Ära von Edison und Nikola Tesla und der ersten Weltausstellung. Und in diese Zeit fiel auch die Eröffnung des Suezkanals und eine Eisenbahnverbindung quer durch die USA. Das war 1869. Diese neuen Möglichkeiten nutzte der Amerikaner George Francis Train ein Jahr später für eine spektakuläre Weltreise, von der sich wiederum der Schriftsteller Jules Verne inspirieren ließ. Im Januar 1873 erschien dessen bis heute weltberühmter Roman „In achtzig Tagen um die Welt“. Wer kennt nicht die abenteuerliche Geschichte des englischen Gentleman Phileas Fogg, der eine Wette abschließt und dann mit seinem Diener Passepartout auf eine Weltreise aufbricht. Namenpatron für den Helden war übrigens der Amerikaner William Perry Fogg, der bereits 1868 einmal um den Globus gereist war. Der Erfolg des Abenteuerromans von Jules Verne und die realen Weltreisenden erregten in den USA einen großen Medienhype. Es war zugleich die Zeit von jungen mutigen Reporterinnen und dem neuen Genre des investigativen Journalismus. Zu den „Girl Stunt Reportern“ gehörte auch die ehrgeizige Elizabeth Jane Cochran, die sich als Journalistin Nellie Bly nannte. Sie schaffte es von Pennsylvania bis nach New York und erarbeitete sich mit mutigen und aufsehenerregenden Reportagen eine Anstellung bei der großen Zeitung „New York World“ von Joseph Pulitzer. Sie war erst 25 Jahre alt und bald in den ganzen USA ein kleiner Star, denn die Zeitung hatte 1889 die Idee, Nellie Bly als erste Frau in die Fußstapfen von Jules Vernes Romanhelden Fogg treten zu lassen. Und das als junge Frau. Es war ein riesiges Medienspektakel und die Modezeitschrift Cosmopolitan heizte dieses noch weiter an, indem sie mit Elizabeth Bisland ebenfalls eine Reporterin auf Weltreise schickte – nur in die andere Richtung. Somit gab es wieder einen Wettlauf und jede Menge Publicity. Und Nelly Bly schaffte die Herausforderung sogar in 72 Tagen.
#102

Wer freut sich auf die WM in Katar?

Bald rollt wieder der WM-Ball, doch die Vorfreude auf die Fußballweltmeisterschaft in Katar ist hierzulande gedämpft. Seit Jahren gibt es Kritik am Gastgeber, an den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen der Stadien, an der Menschenrechtssituation im Emirat – aber vor allem an der FIFA und der Vergabe der WM in ein heißes Wüstenland ohne Fußballkultur, so dass die WM statt im Sommer nun pünktlich zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte in Deutschland stattfindet. Es gibt Boykottaufrufe aus Fankreisen und jede Menge negative Vorberichterstattung. Und dann gibt es die Gegenstimmen, die sich die Vorfreude auf die die WM nicht nehmen lassen wollen und kritisieren, dass der Sport und Großevents wie eine WM oder Olympiade immer mehr politisiert werden. Zudem ist die verhaltene bis ablehnende Stimmungslage in Deutschland nicht repräsentativ für die globale Sport- und Fußballwelt. Weit über die arabische Welt hinaus ist die Begeisterung groß und es ist nicht mit leeren Stadien oder mangelnden Zuschauerzahlen zu rechnen – weder vor Ort noch an den Empfangsgeräten. Und mit Saudi-Arabien schickt sich gleich das nächste Land an, alles daran zu setzen in den nächsten Jahren Gastgeber sowohl einer Olympiade wie auch einer Fußball-WM zu werden. Die Sportwelt befindet sich im Umbruch. In weniger als 14 Tagen beginnen die „WM der Schande“, wie die übertragende ARD ihr anstehendes Programm-Highlight wenig schmeichelhaft nennt, und diese wurde bereits im Jahr 2010 an Katar vergeben! Die Entscheidung der FIFA-Funktionäre fiel also bereits vor 12 Jahren. Und solange brodelte es und gab es immer wieder in Wellen Kritik an der Vergabe und am ausrichtenden Emirat. Neben der Menschenrechtssituation im Emirat und Todesfällen unter den Gastarbeitern auf den WM-Baustellen, gibt es noch diverse weitere Aspekte, die verstören: Die ominöse Rolle des katarischen Sportfunktionärs Mohammed bin Hamman, angebliche Bestechung, Rufmordkampagnen oder Bespitzelung-Aktionen für hunderte Millionen US-Dollar. Und die FIFA mit ihrem Präsidenten Infantino steht ohnehin unter Korruptions-Generalverdacht. Kann es da noch Gegenstimmen geben, die sich eine Konzentration auf schönen Rasenball-Sport wünschen und denen die Kritik an Katar und die Brüskierung eines WM-Gastgebers zu weit gehen?
#98

Metaverse - Hype oder Web der Zukunft?

Das Metaverse als Web 3.0, als die nächste Evolutionsstufe des Internets zu bezeichnen ist sicher nicht ganz so spektakulär wie die Visionen von Neal Stephenson in „Snow Crash“, aber vielleicht etwas greifbarer. Denn einerseits erleben wir bereits viele Projekte und gamifizierte Aktivitäten, aber die schrittweise Überführung von Erlebnissen in eine virtuelle Welt, deren tägliche Nutzungsdauer sich laut Experten rasant erhöhen soll, ist sicher noch ein längerer Weg. Mark Zuckerberg hat dem Thema mit der Umbenennung von Facebook zu Meta Gravitation gegeben, denn eindeutiger kann man nicht zeigen, dass man eine Vision für das Metaverse hat. Doch für die immer wieder proklamierte Zielgruppe „Generation Z“ spielen die Aktivitäten der großen Gaming-Plattformen derzeit vielleicht die wichtigere Rolle. Wenn man sich etwas näher mit dem Status Quo des Metaverse beschäftigt, wird klar, es gibt nicht die eine Plattform, sondern es gibt schon einige. Und viele haben Wurzeln in der Gaming-Industrie. Als Non-Gamer bekommt man daher kaum mit, was sich bereits Gewaltiges bei Fortnite, Roblox oder im Decentraland tut. Spannend werden dann die nächsten Entwicklungen bei Zuckerbergs Horizon Workrooms oder bei Mesh sein. Insofern ist es eine entscheidende Frage, ob sich diese sehr vielfältigen Initiativen zu einem großen Ganzen ergänzen und eine Kompatibilität bei der Kommunikation sichergestellt wird oder nicht.
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