Wird Vorletzter unser Stammplatz?
#37

Wird Vorletzter unser Stammplatz?

McKinsey bezeichnet die deutschen Verbraucher im europäischen Vergleich als „Digital-Bummler“ und bewertet unsere Digital-Affinität mit dem vorletzten Platz. Das überrascht nicht wirklich, denn wir haben uns schon scheinbar daran gewohnt, dass wir in Sachen Digitalisierung, Infrastruktur und Internetgeschwindigkeit in Rankings regelmäßig weit hinten landen. Schon lange stehen alle vier Jahre im neuen Koalitionsvertrag diesbezüglich ehrgeizige Ziele, bei der Umsetzung bremsen wir uns aus. Einen ähnlichen „gordischen Knoten“ scheint es bei einem weiteren Wettbewerb zu geben, der jedes Jahr mehr als 200 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher versammelt: Wenn es beim European Song Contest in der Nacht zum Voting kommt, haben wir uns an „Germany - Zero Points“ der Zuschauer und homöopathische Trostpunkte der Länder-Juries gewohnt. Mit ein wenig Sarkasmus und Augenzwinkern könnte man sagen, dass lediglich die Engländer uns -wiederholt- nicht den letzten Platz gegönnt haben. Für die neueste Episode der Turtlezone Tiny Talks arbeiten Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz das jüngste ESC-Debakel um den sympathischen Gute-Laune-Sänger Jendrik Sigwart auf und fragen sich, ob wir den vorletzten Platz gepachtet haben und warum wir uns seit Jahren immer wieder so schwer tun, Europa musikalisch zu verzaubern. Eine Debatte nicht nur für Fans von Chanson und Eurodance.
Episode 037 
Natürlich gibt es jetzt wieder Millionen ESC-Experten und viel Kritik. Die heiß diskutierte Frage nach dem Erfolgsrezept beim Eurovisions-Gesangswettbewerb gibt es gefühlt seit Jahrzehnten - nur zweimal unterbrochen in den Jahren 1982 und 2010 durch Nicole und Lena, respektive Ralph Siegel und Stefan Raab. Auffällig ist dabei, dass der NDR in den letzten Jahren die Methodik, den deutschen Teilnehmersong auszuwählen, beinahe häufiger gewechselt hat als Schalke 04 zuletzt Trainer verschleißen konnte. Macht es Sinn mit sogenannten Expertengremien gezielt nach Songs zu suchen, die vermeintlich mehrheitsfähig sind oder ist es nicht wichtiger, dass der deutsche Beitrag bei uns Hit-Chancen hat, uns begeistert und vom Publikum gewählt wird?