Welche Zukunft hat Afghanistan?
#49

Welche Zukunft hat Afghanistan?

Der seit Jahren angekündigte Abzug des US-Militärs und seiner Verbündeten aus Afghanistan hat zur erwarteten Machtübernahme durch die Taliban geführt. Aber deutlich schneller als von den Politik-Strategen vorhergesagt landesweit, auch in der Hauptstadt Kabul. Die chaotischen Bilder vom Flughafen und den Rettungsaktionen für Ausländer, Diplomaten, Journalisten und bedrohte afghanische Helfer, erinnern an das Ende des Vietnam-Kriegs im Jahr 1973. Der 20-jährige Militäreinsatz in Afghanistan, unter Beteiligung der Bundeswehr, erscheint ebenso gescheitert wie die jüngsten Verhandlungen mit den Taliban in Doha. Es werden Erinnerungen an das Trauma der Sowjetunion in den 80er-Jahren wach. Der Vergleich wird ebenso ungerne gesehen, wie Erinnerungen an die mehrfachen anglo-afghanischen Kriege. Unbestritten gibt es aber Berührungspunkte und offensichtliche Wiederholungen der Geschichte. Für die Episode 49 der Turtlezone Tiny Talks werfen Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz einen tieferen Blick auf die afghanische Geschichte und die letzten 20 Jahre. Denn die Zukunft Afghanistans und seiner Menschen lässt sich nur mit einem Blick über den ideologischen Tellerrand verstehen.
Episode 049 
In Afghanistan kämpfen seit Jahrzehnten Gotteskrieger und Fundamentalisten, Clan- und Stammesfürsten, Söldner und Drogenhändler, die sich allesamt nicht für einen Ost-West-Konflikt und Stellvertreter-Kriege interessieren, sondern opportunistisch wechselseitige Bündnisse eingehen. Die Geschichte Afghanistans ist durchzogen von den Kämpfen der Paschtunen gegen die jeweiligen persischen und indischen Herrscher, von russischer Expansionspolitik zur Zarenzeit und vor allem britischen Kolonialinteressen. Es gibt zahllose Stämme und weitere Ethnien wie die Tadschuken. Neben religiösen Konflikten dominieren innerhalb der absoluten Mehrheit der Menschen mit sehr konservativer Islamauslegung doch primär die Stammesinteressen.
Die von den USA ehemals unterstützten Guerilla-Kämpfer der Mudschaheddin wurden als Widerstandskämpfer gegen die Sowjetarmee gefeiert und wurden später mit Osama Bin Laden, Al-Quaida und den Ereignissen um 9/11 zum Bumerang und Trauma. Und auch die Taliban werden ebenso als erzkonservative Gotteskrieger gefürchtet wie als Widerstandskämpfer verehrt oder als Bündnispartner akzeptiert. Je nach Perspektiv- und Interessenslage. 
Und auch die Rolle des Nachbarlandes Pakistan, die Rolle Quatars und Saudi Arabiens darf nicht außer Acht gelassen werden. Nicht zuletzt geht es neben Religion und Geopolitik auch um den Drogenhandel und um wertvolle Bodenschätze.