Sind Ethik und Pandemie vereinbar?
#21

Sind Ethik und Pandemie vereinbar?

Zu den Beratern der Bundesregierung in der Corona-Krise gehört auch der Deutsche Ethikrat, der seit 2008 als Dialogforum und Beratungsgremium fungiert und nun eine Empfehlung zur diskutierten Frage angeblich bevorstehende Vergünstigungen für geimpfte Bürger veröffentlicht hat. Angesichts des schleppenden Impfstart gibt es in der Bevölkerung derzeit wenig Sympathien für vermeintlich Privilegien für bereits Geimpfte haben. Dabei geht es rechtlich gesehen eher um die Frage, ob für Geimpfte die bislang notwendigen Einschränkungen wieder teilweise aufgehoben werden - und nicht um neue Sonderrechte. Und es geht in der Privatwirtschaft um die weitreichende Vertragsfreiheit. Und die wurde vom Ethikrat, entgegen allen Headlines, auch nicht in Frage gestellt. Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz debattieren in der neuen Episode der Turtlezone Tiny Talks die heutige Rolle der Ethik in Politik und Gesellschaft und welche ethischen Fragen sich für Entscheider und Bürger in Zeiten der Corona-Pandemie zusätzlich stellen.
Episode 021 
Die zugespitzte Headline „Ethikrat gegen Privilegien für Geimpfte“ ist unpräzise. In der aktuellen Empfehlung hat sich der Ethikrat vielmehr mit mehreren Aspekten beschäftigt und differenziert zwischen der Frage, ob die Politik bei staatlicher Freiheitsbeschränkungen individuelle Unterschiede zwischen geimpften und nicht geimpften Personen machen darf und der Frage, ob die Unterscheidung zwischen geimpften und nicht geimpften Personen durch private Anbieter durch die Privatautonomie gedeckt sind oder einer besonderen Rechtfertigung bedürfen. Angesichts des immer größeren Wunsches nach einer Rückkehr in ein „normales Leben“, erscheint es in der Tat wichtig, geeignete Konzepte rechtlich und ethisch besonnen abzuwägen und dabei nicht der Versuchung mancher Politiker zu erliegen, die reichlich populistische Phantom-Debatte um vermeintliche Sonderrechte für Geimpfte oder eine verkappte Impfpflicht noch zu befeuern.