Kommt jetzt die digitale Identität?
#48

Kommt jetzt die digitale Identität?

Eine digitale Identität ist weit mehr als digitalisierte Verwaltungsprozesse und Behördengänge. Es ist ein immenser Paradigmenwechsel gegenüber der bisherigen Fixierung auf Papierunterlagen. Die Initiative ID2020 hat eine sehr weitreichende Vision über die Ausgestaltung so einer digitalen Identität. Keine Vision, sondern sehr konkret, sind EU-Beschlüsse: Es geht um homogene, eu-weite und diskriminierungsfreie Bürgerservices für einen vollständig digitalen Binnenmarkt. Und um die zeitnahe, europaweite Verheiratung der nationalen Bürgerportale. Das Stichwort dafür lautet „Single Digital Gateway“. Nationales Bürgerportal? Digitale Bürgerservices? Für uns in Deutschland klingt das wieder sehr visionär und nach „Neuland“. Dabei sollen wir schon 2022 in den Genuss kommen. So sieht es das deutsche Onlinezugangsgesetz vor und auch die Fristen aus Brüssel.
Episode 048 
Für das 27-minütige Special der Turtlezone Tiny Talks debattieren Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz über die Chancen und Risiken einer digitalen Identität. Über Technologiekonzepte und Datensicherheit und über die mühevolle Gremienarbeit in Deutschland und Europa um die konkreten Beschlüsse für digitale Bürgerservices infrastrukturell und rechtlich umzusetzen. Der gordische Knoten liegt wieder mal in den föderalen Strukturen. Während im Hinblick auf die Datensicherheit dezentrale Konzepte mit sogenannten „Datenspenden“ durch die Bürger zur Diskussion stehen, erweisen sich alleine in Deutschland die zahlreichen zu verheiratenden Datentöpfe und die wie immer eifrig verteidigten föderalen Hoheiten als große Herausforderung. 
Insofern geht es auch darum, ob es dem IT-Planungsrat mit seinen Gremien nicht nur gelingt, bis 2022 die Pläne für ein nationales Bürgerportal umzusetzen und dabei das europäische Gateway umfänglich zu unterstützen, sondern auch um konzeptionelle Weichenstellungen für die mögliche Zukunft einer für uns Bürger vorteilhaften und sicheren, digitalen Identität. Denn die Sorge vor einem „gläsernen Bürger“, vor Überwachung und Identitäts-Kriminalität ist mindestens genauso groß wie die Kritik an unserer mangelnden Digitalisierung in Verwaltung und Gesundheitswesen.