Ist die Rente noch zu retten?
#44

Ist die Rente noch zu retten?

1997 sagte der damalige Arbeitsminister im Kabinett von Helmut Kohl, Norbert Blüm, den mittlerweile ebenso legendären wie falschen Satz „Die Rente ist sicher!“. Besser, er rief den Satz erregt, denn zuvor hatte Rudolf Dressler, Präsidiumsmitglied und Sozialpolitiker der SPD, den Finger in die Wunde gelegt, dass die Rentenversicherung durch verschiedene, nicht sauber gegenfinanzierte, politische Entscheidungen in immer dramatischerer Schieflage sei. Blüms Pläne für ein Reform ginge wieder zu Lasten der künftigen Rentner. Die Bundestagsdebatte ereignete sich 40 Jahre nach der letzten großen Rentenreform 1957, bei der das Kapitaldeckungsverfahren in ein Umlageverfahren geändert worden war. Basis des „Generationenvertrages“. Bis heute wurde immer wieder nachjustiert und wurden Löcher gestopft. Im Resultat haben sich dadurch das Renteneintrittsalter deutlich erhöht und das Rentenniveau dramatisch verringert. Außerdem „leisten“ wir uns damit ein immer wahrscheinlicheres Risiko auf Altersarmut. Für die neueste Episode der Turtlezone Tiny Talks debattieren Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz, wie eine längst überfällige, erneute große Rentenreform aussehen müsste und warum sich die Politik nicht daran heran traut. Entsprechend drängt sich die Frage auf: „Ist die Rente noch zu retten?“.
Episode 044 
Seit Jahrzehnten kennen die Justierungen an der Rentenversicherung nur eine Richtung: Zu Lasten der Versicherten und künftigen Rentner. Lediglich die von Hubertus Heil verfechtete Respektrente kommt den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zugute, die ihr Leben lang beitragspflichtig waren. An die Grundprobleme des Rentensystems und eine -seit Jahrzehnten überfällige- große Rentenreform traut sich aber niemand energisch heran. Insbesondere nicht in Wahlkampfzeiten, denn mit der Aussicht auf eine Pflichtversicherung für „Alle“ und höhere Abgaben macht man sich weder bei Selbständigen und Freiberuflern, noch bei Beamten Freunde. Dabei zeigt ein Blick nach Österreich, dass ein gesetzliches Rentensystem genau dann funktionieren und deutlich attraktiver sein kann. Außerdem lassen sich die, dennoch notwendigen, hohen Transferleistungen aus dem steuerfinanzierten Staatshaushalt deutlich besser rechtfertigen, wenn arbeitnehmende Bürger in der Gesamtheit zur Versichertengemeinschaft gehören. 
Doch eine große Rentenreform erscheint so herausfordernd, dass sie zwar immer wieder mal debattiert aber dann wieder zu den Akten gelegt wird. Das vermeintlich „reiche“ Deutschland leistet sich lieber Altersarmut und flaschensammelnde Senioren.