Darf es noch eine Corona App für uns sein?
#13

Darf es noch eine Corona App für uns sein?

In Sachen Digitalisierung-Bemühungen sorgen die föderalen Strukturen und Verantwortlichkeiten für eine Vielzahl von Apps und wenig Integration. Von digitalen Bürgerdiensten bis hin zur Katastrophen-Warn-Apps gibt es kein zentrales Werkzeug mit hoher Funktionalität für die alltägliche Nutzung. Und auch die puristische Corona Warn-App ist weder Teil einer Bürger-App noch integriert in die Portale, die jeder von uns tagtäglich nutzt. Wäre es eine kühne Idee gewesen, die Features in den DB Navigator oder die Lufthansa App einzubauen? International lassen sich für diesen Ansatz einige Erfolgsbeispiele finden. Für die neueste Podcast-Episode der Turtlezone Tiny Talks debattieren Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz über die Notwendigkeit digitale Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten neu zu ordnen und über die Nachteile, wenn vom Bund bis zur Kommune jedes Ministerium, jede Stadt und jede Behörde projekt- und kampagnenorientiert immer neue Webseiten und Apps beauftragen, deren Funktionalität, Erfolgsaussichten und Lebensdauer überschaubar sind. Welche Learnings können wir aus den letzten Monaten ziehen? Denn Corona zeigt wie durch ein Brennglas die Versäumnisse der letzten Jahre. Eine erfrischende Debatte, bei der es nicht um Kritik, sondern um Weichenstellungen und Ideen für die Zukunft geht.
Episode 013 
Eine wirklich zukunftsweisende Digitalstrategie sollte wohl bundesweit einheitlich sein sollte. Das betrifft auch die Digitalisierung von Bildung und Unterricht. Und das ist eindeutig ein Paradigmenwechsel gegenüber unserer politischen und verwaltungstechnischen, föderalen Struktur. Wenn man jetzt nicht nur kritisieren will, sind viele unserer Probleme mit Infrastruktur und Digitalisierung diesem Umstand geschuldet – denn eine notwendige Debatte über eventuelle Kompetenzübertragungen wurde nie ernsthaft fort- oder zu Ende geführt. Insofern ist es logisch, dass jedes Patchwork-Element dieser sehr heterogenen und teilweise trennunscharfen Verantwortungsmatrix auch bei Digitalthemen individuell entscheiden will. Man könnte also versöhnlich sagen, dass Corona einfach zu früh kam. Zu früh für schlagkräftige digitale Werkzeuge. Auch was die Nutzung von KI-Lösungen angeht, weil die Ethik-Diskussion da ja auch noch ganz am Anfang steht. Andererseits kann man natürlich sagen, dass Corona einfach nur wie durch ein Brennglas deutlich macht, wo wir notwendige Initiativen und Investitionen einfach jahrelang verschleppt haben. Wir müssen zumindest jetzt die Lehren daraus ziehen und uns den Realitäten stellen. Und verstehen, dass digitale Services ebenso wenig wie das Internet mit regionalen Konzepten brillieren können. Es muss niemand Angst um den heiligen Gral „Föderalismus“ haben, wenn bestimmte Themen und Verantwortlichkeiten zeitgemäß und im Sinne der Zukunftsfähigkeit neu sortiert werden. Oder? Eine spannende 20-Minuten-Debatte zum Wochenauftakt.