Bleibt der Humanismus auf der Strecke?
#75

Bleibt der Humanismus auf der Strecke?

Vor 525 Jahren schrieb Erasmus von Rotterdam die „Klage des Friedens“. Auch heute haben der politische Humanismus und eine ablehnende Haltung zum Krieg als Mittel der Politik wahrlich keinen leichten Stand. Mit einem Handstreich werden die jahrzehntelangen diplomatischen Bemühungen um Entspannung als krachend gescheitert bezeichnet und die sogenannte „Appeasement-Politik“ gar als großen Fehler, die nur den skrupellosen Aggressoren in die Hände gespielt habe. Mehr noch, werden Kriege und militärische Aktionen als humanitäre Aktion gerechtfertigt. Der humanitäre Legitimationsdiskurs ist dabei ein wichtiger Hebel um sogar Kriege als gerecht oder gerechtfertigt zu verargumentieren. Aus humanistischer Sicht sind aber auch die gesellschaftlichen Begleiterscheinungen ein Grund zur Sorge: Seit Jahren wird der Ton rauer und unerbittlicher. Wir erleben eine Aufrüstung der Sprache und eine Leitrhetorik in der Debatte, in der fast nur noch Platz für ein binäres Denken bleibt und ein moralischer Kompass wie durch einen Magneten in eine Richtung forciert wird. Differenzierungen werden als Relativierungen abgelehnt. Auch im Namen der guten Sache gilt immer häufiger eine „Entweder Du bist meiner Meinung oder gegen mich“ Logik.
Episode 075 
Für die neue Episode der Turtlezone Tiny Tallks werfen Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz einen Blick auf Ursprung und Historie des Humanismus und fragen im aktuellen Kontext „Bleibt der Humanismus auf der Strecke?“.