10 Monate Corona-Politik - Bazooka oder Flickenteppich?
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10 Monate Corona-Politik - Bazooka oder Flickenteppich?

Seit fast 10 Monaten hält die Corona-Pandemie uns in Atem und setzt die Politik, Virologen und das Gesundheitssystem unter Druck. Am heutigen 2. November greift der neuerliche 4-wöchige Lockdown-Light, der als eine Art Wellenbrecher die rapide steigenden Infektionszahlen ausbremsen soll. Doch sind diese neuerlichen Einschränkungen verhältnismäßig? Sind sie zu hart oder kommen sie eigentlich Wochen oder Monate zu spät und sind zu kompromissbeladen? Über den Sommer hinweg haben sich die Ministerpräsidenten im Lockerungswettstreit überboten, während Karl Lauterbach als Panikmacher kritisiert worden ist. Nun hat sich das Blatt gewendet und zumindest vorübergehend ist der vieldiskutierte föderale Flickenteppich an Regeln und Maßnahmen überwunden – der irgendwie im merkwürdigen Kontrast zu den milliardenschweren „Bazooka“-Hilfsprogrammen des Bundes stand. Doch wie geht es im Dezember weiter? Und was ist aus den vielen selbstbewussten Stimmen geworden, die uns lange Monate hinweg zur Gelassenheit geraten haben – immer mit Verweis auf eine überlegene Medizininfrastruktur, leere Intensivbetten und einen baldigen Impfstoff? Die Warnungen der Kanzlerin sprechen heute eine andere Sprache. In der neuesten Episode der Turtlezone Tiny Talks sprechen Dr. Michael Gebert und Oliver Schwartz über die Strategie der politischen Entscheidungen der letzten 10 Monate, über die begleitende Kommunikation und teilweise vertane Chancen. Mit massiven Auswirkungen auf unser Leben, Existenzen und die Wirtschaft. Eine spannende und kritische Debatte ohne Besserwisserei und erhobenem Zeigefinger. 20 Minuten Zwischenbilanz einer Krise, die uns noch lange beschäftigen wird.
Episode 008 
Es gab lange nicht mehr eine Krise oder Debatte, die medial so präsent war. Fast monothematisch wird seit 10 Monaten über die Corona-Pandemie berichtet und der kommunikative Overkill, begleitet von einem föderalen Einschränkungs- und Lockerungs-Duell der Ministerpräsidenten einem aktiven oder unfreiwilligen Contest der Virologen und sehr lautstark durch Demonstrationen und Verschwörungstheorien von sogenannten Querdenkern und Corona-Leugnern. Im Zwischenfazit kann man den Umgang mit Infektionszahlen und Reproduktionsfaktoren in der täglichen Kommunikation seit dem Frühjahr durchaus kritisch sehen. Zu lange fehlten notwendige Bezugsgroßen wie die Anzahl der durchgeführten Tests. Und auch die massiven, milliardenschweren Hilfspakete für Unternehmen und Kurzarbeitergeld beeindrucken einerseits durch schnelles Handeln der Politik, müssen sich aber auch kritische Stimmen zur bürokratischen Umsetzung und der Festlegung von Bemessungsfaktoren gefallen lassen. Denn viele Solo-Selbständige, Freiberufler und Kulturschaffende fühlen sich im Stich gelassen. Aber auch die Gastronomie steht mit dem Rücken zur Wand. Immer lauter werden Stimmen, die sich fragen, warum auf viele Chancen einer multifunktionalen Corona Warn-App verzichtet worden ist. Das teure Leuchtturmprojekt rühmt sich zwar größtmöglicher Datenschutzkompatibilität, verzichtet aber auf jede der vielen denkbaren Optionen, dem Nutzer –durchaus datenschutzkonform- die freiwillige Aktivierung von hilfreichen Features oder Datenspenden zu ermöglichen. Eine faire und konstruktive Debatte kann und muss also durchaus ein durchwachsendes Fazit ziehen. Mit Anerkennung für hohes Engagement vieler Beteiligter, und mit Kritik an einem zu hohen föderalen Reibungsverlust, einem geringen Digitalisierungsgrad und einer hohen Bürokratie. Waren wir schlecht vorbereitet oder schlagen wir uns in dieser nicht vorhersehbaren Ausnahmesituation doch bestmöglich? Eine spannende Episode, die ein Reinhören unbedingt lohnt!